Heidelberg Scientific Drilling Project

Den Kristallisationspunkt in diesem Forschungsprojekt stellen vier Kernbohrungen aus dem "Heidelberger Becken" dar. Diese Bohrungen erlauben die Untersuchung von fluviatilen bis limnisch-fluviatilen Archiven des Quartärs und Pliozäns im nördlichen Oberrheingraben und damit die Beantwortung einer Vielzahl offener Fragestellungen im Zusammenhang mit neotektonischen Prozessen, den quartären Eiszeiten auf dem europäischen Kontinent und dem Übergang vom Pliozän zum Pleistozän. Sie werden durch ein umfangreiches wissenschaftliches Forschungsprogramm begleitet.
Seit 2006 werden zwei neue Kernbohrungen in Heidelberg und bei Viernheim abgeteuft und bearbeitet, die wesentliche Ergänzungen zu zwei bereits existierenden Kernbohrungen aus Ludwigshafen darstellen. Mit den Forschungsbohrungen und den darauf aufbauenden Forschungsprojekten wird erstmals ein nicht abgeschlossenes terrestrisches Sediment- und Klimaarchiv im nördlichen Oberrheingraben erschlossen und umfassend geowissenschaftlich analysiert. Das Heidelberger Becken ist durch seine zentrale Stellung im Geosystem Alpen - Oberrheingraben - Nordsee charakterisiert und gleichzeitig durch die mächtigsten Quartärfolgen im Oberrheingraben gekennzeichnet. Die verschiedenen Projekte stellen Bausteine zu einem umfassenden Verständnis der klimatisch und (neo)tektonisch gesteuerten 4D-Entwicklung des Heidelberger Beckens bzw. seiner plio-pleistozänen Sedimentabfolgenn dar. Die Forschungsbohrungen durchteufen quartäre, insbesondere hoch auflösende mittelpleistozäne Sedimentabfolgen, die einerseits eine Verknüpfung zu den niederländisch-niederrheinischen Verhältnissen ermöglichen, andererseits aber auch eine direkte Korrelation mit den frühmittelpleistozänen morphogenetischen Hauptdiskontinuitäten des Alpenvorlandes. Das gewonnene Archiv erleichtert somit die Verknüpfung von alpinen mit nordeuropäischen Parametern zur Klimaentwicklung und ist somit von überregionaler Bedeutung. Gegenüber weiter südlich gelegenen Beckenstrukturen im Oberrheingraben gab die distale Lage des Heidelberger Beckens innerhalb des Geosystems Alpen-Oberrhein den Ausschlag hier das Projekt anzusiedeln: Diskontinuitäten und Hiaten werden weniger stark ausgeprägt sein, feinkörnige alpine Sedimente lassen ein weites Spektrum an geowissenschaftlichen, insbesondere auch geochronologischen Untersuchungsmethoden zu. Klima-Eventstratigraphie und sedimentpetrographische Signale des Alpenvorlandes können mit biostratigraphischen, geochronologischen und magnetostratigraphischen Markern in einem Profil verknüpft werden. Im Mittelpunkt des gesamten Projekts steht das Heidelberger Becken als dominierende Sedimentfalle im nördlichen Rheingraben. Verschiedene Teilprojekte werden sich mit den Themenbereichen

  • Geochronologie,
  • 3-D Struktur und Genese des Beckens,
  • Neotektonik sowie
  • Sedimentinput durch Rhein und Neckar

befassen und zusammengefasst u.a. zu der Erstellung eines quartärstratigraphischen Referenzprofils für das nördliche Alpenvorland sowie der Ableitung von Klimaproxy beitragen.

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